Auf den Spuren von Robert Schumann

      Das Schumannhaus Bonn-Endenich

      Sebastianstraße 182
      53115 Bonn
      Tel.: 0228 / 77 36 56

      1. Einleitung
      2. Geschichte des Hauses
      3. Schumanns Leben in Endenich
      4. Schumann-Gedenkzimmer
      5. Hauskonzerte im Schumannhaus Bonn
      6. Busverbindung


      3. Schumanns Leben in Endenich


      Robert und Clara Schumann, Lithographie von Eduard Kaiser, Wien 1847
      Über Schumanns Leben in Endenich weiß man vor allem durch die Clara Schumanns Tagebuchaufzeichnungen und ihrem regen Briefverkehr mit den in der Heil- und Pflegeanstalt in Endenich behandelnden Ärzten.

      Schon als städtischer Musikdirektor in Düsseldorf setzen  Schumann Gehörstäuschungen, Depressionen und Halluzinationen zu. Am 26. Februar 1854 steht sein Entschluß fest, in eine Irrenanstalt zu gehen, „da er seiner Sinne nicht mehr mächtig sei, und nicht wissen könne, was er in der Nacht am Ende täte" (1).

      Am darauffolgenden 27. Februar, einem Rosenmontag, verläßt Schumann in einem unbeobachteten Augenblick mit Filzschuhen, ohne Weste und Mantel das Haus, begibt sich zur Schiffsbrücke und stürzt sich in den Rhein. Aufmerksame Fischer, die ihn ob seiner seltsamen Erscheinung beobachtet haben, retten ihn aus den Fluten.

      Am 4. März wird Schumann in das Endenicher Sanatorium für Nervenkranke überführt, eine private und moderne Heil- und Pflegeanstalt, in der „mechanische Zwangsmittel abgelehnt wurden und wo die Förderung des Wohlbefindens des Kranken als oberstes Gebot galt" (2). Clara begleitet ihren Mann auf den Rat des bisherigen Arztes Dr. Hasenclever hin  nicht nach Endenich, da dieser „schlimme Rückwirkungen auf den Patienten durch die Aufregung seiner Frau" (3) befürchtet. Allerdings berichtet Hasenclever ihr später von der Unterkunft ihres Mannes, wie sie selbst in ihrem Tagebuch vermerkt:

      „Um 6 Uhr kam Hasenclever von Endenich zurück ... und erzählte mir, wie sehr ihm die Anstalt gefalle! Man sieht das ganze Siebengebirge vor sich liegen. Robert hat die Morgensonne in seinen Fenstern und die Aussicht nach dem Kreuzberge. Der Arzt hatte Robert sehr liebevoll empfangen und ihm einen Wärter für sich allein gegeben, den er gleich liebgewann" (4).

      Neben Schumanns Zimmer befand sich ein Gesellschaftszimmer mit Klavier, an dem der damalige Medizinstudent B. Oebeke öfters zu üben pflegte, und wenn er sich verspielte, soll Schumann nicht selten gegen die Wand geklopft haben.

      Clara Schumann, die auf ärztliches Anraten ihren Gatten die nächste Zeit nicht besucht, wird vom Assistenzarzt Dr. Peters regelmäßig über Schumanns Befinden informiert. So schreibt dieser am 1. April 1854:

      ,,Es freut mich, Ihnen mitteilen zu können, daß sich das bessere Befinden und ruhigere Verhalten Ihres Herrn Gemahls seit Montag gehalten hat. Noch immer sehr ruhebedürftig, brachte er den größten Teil des Tages, ausgenommen der Zeit, die er nach seinem Wunsche zum Spazierengehen verwendet, meist schlummernd auf dem Sofa, noch lieber auf dem Bette zu. Anfälle von Ängstlichkeit sind in dieser Periode gar nicht bemerkt worden, und haben sich ebensowenig die früheren Gehörstäuschungen eingestellt. Im Ganzen war er milde, freundlich, ziemlich unbefangen, aber kurz bei der Unterhaltung. Gewalttätig gegen seinen Wärter, wie dies in der ersten Zeit wohl vorgekommen, ist er nicht gewesen, im Gegenteile zeigte er sich wohlwollend gegen denselben, sprach sein Bedauern aus, ihm früher viele Unruhe gemacht zu haben, und machte gestern, als er sich bei ihm nach dem Datum erkundigte, einen Scherz in Bezug auf den 1. April. Auf seinen Spaziergängen sucht er häufig Veilchen. Sein Aussehen ist besser, Appetit und Schlaf sind sehr gut" (5)


      Johannes Brahms, Silberstiftzeichnung von Jean-Joseph-Bonaventure Laurens
      Robert Schumann wird in den folgenden zwei Jahren oft von den Freunden der Familie, Johannes Brahms und Joseph Joachim (dt. Violinist u. Komponist), besucht, die auch Clara von ihrem Mann erzählen.

      Er durchlebt eine Zeit, in der Halluzinationen und lichte Augenblicke einander ablösen; letztere machen allen Beteiligten immer wieder Hoffnung auf seine Genesung.

      Doch seinen Briefen an Clara fehlt jegliche Zukunftsperspektive, sein geistiger Verfall schreitet fort, und er leidet unter Wahnvorstellungen. Im Sommer 1856 fürchtet er einen Giftanschlag und nimmt nur noch Wein und Gelee zu sich. Er beginnt mit dem alphabetischen Sortieren von Städte und Ländernamen.

      Am 14. Juli 1856 eröffnet Dr. Richarz Clara Schumann, daß Robert kein ganzes Lebensjahr mehr bleibe. Er korrigiert diese Aussage wenige Tage später und bittet Clara zu einem baldigen Besuch ihres Mannes, wenn sie diesen noch lebend sehen wolle. Sie reist mit Brahms nach Endenich:

      „... ich  mußte hin und reiste am Sonntag, den 27. wieder mit Johannes [Brahms]. Ich sah Ihn, es war abends zwischen 6 und 7 Uhr. Er lächelte mich an und schlang mit großer Anstrengung, denn er konnte seine Glieder nicht mehr regieren, seinen Arm um mich - nie werde ich das vergessen. Um alle Schätze gäbe ich diese Umarmung nicht wieder hin. Mein Robert, so mußten wir uns wiedersehen, wie mühsam mußte ich mir deine geliebten Züge hervorsuchen: welch ein Schmerzensanblick" (6).

      Zwei Tage später entschläft Robert Schumann unbemerkt nach einigen ruhigen Stunden. Er wird am 31. Juli 1856 auf dem Bonner Friedhof im engsten Familien- und Freundeskreis bestattet.


      Quellenangabe:

      • Paula und Walter Rehberg, „Robert Schumann", Artemis Verlag, Zürich 1954
        daraus (3): Seite 375

      • Brigitte Berenbruch und Helmut Hellberg, „Robert Schumann und Bonn",
        daraus: (1) und (2): Seite 8; (4): Seite 9, (5): Seite 10; (6): Seite 13

      • Hrsg. Thomas Synofzik, „Briefe und Dokumente im Schumannhaus Bonn-Endenich", Bonn 1993

      • Meyers grosses Taschenlexikon, Mannheim 1983